Deutsches Kaiserreich-Münzen sammeln
Im Spiegelsaal von Versailles wurde am 18. Januar 1871 das Deutsche Kaiserreich gegründet. Die Kleinstaaten und verschiedenen Königshäuser wurden unter der Führung von Preußen vereint. Es ist anzunehmen, dass damit eine einheitliche Währung mit einem nationalen Design für Münzen entstanden wäre. Doch die Fürsten und Könige sicherten sich viele Privilegien.
Das Kaiserreich in Fakten
- Zeitraum: 1871 – 1918
- Währung: 1 Mark = 100 Pfennig
- Münzmetalle: Gold (Kurantmünzen), Silber (Scheidemünzen), Nickel, Kupfer
- Numismatisches Merkmal: Einheitliche Wertseite (Reichsadler), aber 25 verschiedene Gestaltungen der Bildseite durch die Bundesstaaten und Freien Städte.
- Prägestätten (Münzzeichen): A (Berlin), B (Hannover), C (Frankfurt), D (München), E (Muldenhütten), F (Stuttgart), G (Karlsruhe), H (Darmstadt), J (Hamburg).
Die Währungsunion von 1873: Einheit in Vielfalt
Das Münzgesetz vom 9. Juli 1873 war ein Meisterstück des politischen Kompromisses. Es ersetzte die acht Landeswährungen wie Gulden und Taler durch die reichsweite Mark, zementierte aber gleichzeitig das Prägerecht der einzelnen Bundesfürsten. Diese bewahrte Eigenständigkeit ist der Grund für die motivische Vielfalt, die dieses Sammelgebiet auszeichnet.
Münzmetalle und ihre Spezifika
Die Materialität der Münzen folgte einer klaren Hierarchie, die den Wert definierte:
- Goldmünzen: Als Kurantmünzen entsprach ihr Nominalwert (5, 10, 20 Mark) dem reinen Metallwert. Sie bestanden aus 900/1000 Gold, legiert mit Kupfer zur Härtung.
- Silbermünzen: Die Nominale von ½ bis 5 Mark waren Scheidemünzen. Ihr Edelmetallgehalt lag unter dem Nennwert. Geprägt aus 900/1000 Silber, waren sie das Rückgrat des täglichen Zahlungsverkehrs.
- Unedle Metalle: Pfennig-Münzen wurden reichseinheitlich aus Kupfer und Nickel gefertigt.
Prägestätten und Münzzeichen
Die Herkunft jeder Münze ist am Münzzeichen, einem Buchstaben, exakt identifizierbar. Die Auflagenhöhe richtete sich nach der Bevölkerungsgröße des jeweiligen Staates, was Prägungen aus Preußen (A) häufig und solche aus kleineren Fürstentümern äußerst selten macht.
| Münzzeichen | Prägestätte | Zugehörigkeit (Beispiel) |
|---|---|---|
| A | Berlin | Preußen |
| B | Hannover | Preußen |
| C | Frankfurt | Preußen |
| D | München | Bayern |
| E | Muldenhütten | Sachsen |
| F | Stuttgart | Württemberg |
| G | Karlsruhe | Baden |
| H | Darmstadt | Hessen |
| J | Hamburg | Freie und Hansestadt Hamburg |
Gestaltung: Zwischen Reichsadler und Landesfürsten
Die Ikonografie der Kaiserreichmünzen ist klar geteilt. Die Wertseite (Revers) war mit dem Reichsadler als Symbol der nationalen Einheit für alle Münzen ab ½ Mark verbindlich. Dessen Gestaltung wurde 1888 signifikant überarbeitet – der Hohenzollern-Brustschild wurde verkleinert, ein Detail für Kenner. Die Bildseite (Avers) hingegen war die Bühne der regionalen Herrscher. Hier finden sich die Porträts der Könige, Herzöge und Fürsten oder die Wappen der Freien Städte Bremen, Hamburg und Lübeck. Diese Tradition der föderalen Motive lebt heute in der beliebten Serie der 2 Euro Münzen der Bundesländer fort, wie die Ausgaben Bremen - Klimahaus exemplarisch zeigen.
News 2026: Numismatische Brücken in die Gegenwart
Die deutsche Münzprägung setzt die Tradition von Qualität und Innovation fort. Das Prägejahr 2026 steht ganz im Zeichen bemerkenswerter Neuausgaben und historischer Wendepunkte.
Die Highlights des Prägejahres 2026
- Neue 35-Euro-Silbermünzen: Mit angepassten Spezifikationen (16,67g, Ag 444) ehrt die Bundesrepublik Persönlichkeiten und technische Meisterleistungen wie Elisabeth Schwarzhaupt, Richard Wagner und die Wuppertaler Schwebebahn. Alle 35-Euro-Neuheiten finden Sie hier.
- Finale der 50-Euro-Tellerprägungen: Die Ausgabe Heilige Drei Könige aus 500er Silber markiert das Ende der großformatigen Tellerprägungen in dieser Serie. Dies ist eine Zäsur und eine letzte Chance für Sammler. Zur Übersicht der 50-Euro-Münzen.
- Moderne Klassiker: Die technologisch anspruchsvolle 5-Euro-Münze Ariane 6 und die prestigeträchtige 100-Euro-Goldmünze Die Judenbuche setzen die Maßstäbe im Bereich der Sammlermünzen.
FAQ: Fragen aus der Kuratoren-Sprechstunde
Nein. Der Wert einer Münze des Kaiserreichs ist eine Funktion aus Nennwert, Metall, Seltenheit (Auflage des Jahrgangs/Münzzeichens) und vor allem dem Erhaltungsgrad. Häufige Jahrgänge von preußischen Markstücken in schlechter Erhaltung besitzen oft nur noch den reinen Materialwert.
Zu den legendären Raritäten zählen die 5-Mark-Stücke aus Sachsen-Coburg-Gotha von 1911 oder die 20-Mark-Goldmünzen desselben Herzogtums von 1872. Solche Stücke erzielen auf Auktionen regelmäßig Höchstpreise.
Absolut. Die direkte Nachfolgelinie ist die seit 2006 jährlich erscheinende 2-Euro-Gedenkmünzenserie „Bundesländer“. Jedes Jahr wird ein Land mit einem Wahrzeichen gewürdigt, was sie zu einem der populärsten Sammelgebiete in Europa macht und die föderale Münztradition Deutschlands ehrt.